Derzeit
haben diverse Datenangebote an die Bundesländer mit mutmaßlichen deutschen
Steuersündern, die ihr Geld angeblich vor dem Fiskus im Ausland verbergen, eine
wahre Hochkonjunktur. Allein aus der Ankündigung, dass die Daten an den Fiskus
weitergeliefert werden sollen, ist allerdings für den einzelnen Anleger nicht
ersichtlich, wer überhaupt unmittelbar betroffen ist. Darüber hinaus gibt es
auch noch keine Informationen darüber, welche Jahrgänge in den Datensätzen
enthalten sind, so dass diese u.U. bereits verjährt sein könnten. Bis zu
welchem Zeitpunkt und wie ist noch eine strafbefreiende Selbstanzeige möglich?
Welche Verjährungsfristen sind zu beachten?
Straffreiheit
tritt bei der freiwilligen Nachmeldung von Einkünften, wie etwa Zinsen,
Dividenden und Spekulationsgewinnen, dann nicht mehr ein, wenn die Tat im
Zeitpunkt der Selbstanzeige ganz oder zum Teil bereits entdeckt war und
der Steuerpflichtige dies wusste oder bei Würdigung der Sachlage damit rechnen
musste. Im Prinzip kommt es also entscheidend darauf an, zu welchem Zeitpunkt
die Datensammlung durch den deutschen Fiskus ausgewertet wird und ob ein
Datenabgleich mit den konkreten Steuerakten erfolgt ist. Danach ist eine
strafbefreiende Selbstanzeige nicht mehr möglich.
Für Sparer,
die ihre Kapitaleinnahmen nicht in der deutschen Steuererklärung angegeben
haben, kann es somit inzwischen zeitlich unmöglich sein, noch eine
strafbefreiende Selbstanzeige abzugeben. Doch nur mit dieser ginge der Steuerpflichtige
im Hinblick auf die nachgemeldeten Taten straffrei aus, müsste sich also weder
einem Gericht stellen, noch eine Geldbuße zahlen.
Hinweis:
Steuerstraftaten
verjähren aus strafrechtlicher Sicht in 5 Jahren, in besonders schweren Fällen
in 10 Jahre. Von einem besonders schweren Fall kann nach der neuesten
BGH-Rechtsprechung u.U. bereits ab einem Hinterziehungsbetrag von 50.000 €
ausgegangen werden.
Die
Verjährungsfrist beginnt ab Tatbeendigung, in der Regel dann, wenn die Steuern
im Steuerbescheid zu niedrig wegen unterlassener Angaben festgesetzt werden. Es
kommt auf die Bekanntgabe des Steuerbescheides an. Wird bspw. der
Steuerbescheid am 15. März bekannt gegeben, endet die strafrechtliche
Verjährungsfrist am 15. März in 5 bzw. 10 Jahren. Diese Frist kann jedoch
unterbrochen werden, etwa wenn dem Steuerpflichtigen mitgeteilt wurde, dass
gegen ihn ein Steuerstrafverfahren eingeleitet wurde. Dann beginnt die
Verjährungsfrist von Neuem an zu laufen.
Es gibt
keine Vorgaben für die formalen Anforderungen an eine Selbstanzeige. Aus
Beweisgründen empfiehlt sich die Schriftform. Sie muss nicht als solche
bezeichnet sein. Am einfachsten erscheint die Abgabe korrigierter
Steuererklärungen nebst Auflistung der vollständigen Kapitalerträge und
Steuerabzugsbeträge. Die Nachmeldung erfolgt beim zuständigen Finanzamt. Sofern
es aufgrund der anstehenden Auswertung der Daten-CDs seitens des Fiskus
zeitlich knapp wird, ist zunächst eine großzügige Schätzung hilfreich, die
später durch konkrete Zahlen korrigiert werden kann. Bei Geldern auf
Gemeinschaftskonten, bspw. bei Ehegatten, müssen beide Kontoinhaber
Selbstanzeige erstatten. Durch die Selbstanzeige ergeben sich inkl.
Zinszahlungen höhere Nachzahlungsbeträge, die rechtzeitig flüssig gemacht
werden müssen. Ohne die Nachzahlung der Steuern gibt es keine Straffreiheit.
Hinweis:
Bitte sprechen
Sie uns vor Abgabe einer Selbstanzeige an!
Im
Steuerfestsetzungsverfahren gelten andere Verjährungsfristen als bei der
Strafverfolgung. Diese Fristen sind maßgeblich dafür, ob der Fiskus auf die
verschwiegenen Einnahmen noch Steuern nachfordern darf, was in der Regel der
Fall sein dürfte. Denn bei Steuerhinterziehung beträgt die
Festsetzungsverjährungsfrist 10 Jahre, die im Übrigen einer Anlaufhemmung von
insgesamt 3 Jahren unterliegt. Wenn innerhalb dieser Frist die
Steuerfahndungsstellen mit Ermittlungen beginnen oder dem Steuerpflichtigen die
Einleitung eines Steuerstrafverfahrens mitgeteilt wird, wird der Fristablauf
gehemmt. Nachträgliche Bescheidänderungen kämen somit nur dann nicht in
Betracht, wenn es sich um Veranlagungszeiträume vor 1997 handeln würde.
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