Gastbeitrag: „Wann Nachhaltigkeit, wenn nicht jetzt?“

Stand: 18.01.2022

Die Nachhaltigkeit ist seit längerem Gegenstand öffentlicher Debatten. In weiten Teilen der Wirtschaft ist aber immer noch eine gehörige Portion Skepsis vorhanden: „Was habe ich davon?“ – fragen sich Unternehmer. Hinter dem Vorbehalt steht aus unserer Erfahrung eher die Unsicherheit darüber, was Nachhaltigkeit überhaupt ist und wie sie im Unternehmen erreicht werden kann.

Gastbeitrag von Josef Krieg, Januar 2022, Metzingen

 

„Von der linearen Wirtschaft hin zu einer Kreislaufwirtschaft"

Neue Technologien, effizientere Methoden, Sparmaßnahmen und nicht zuletzt der Einsatz der Digitalisierung haben bisher keine maßgebliche Verbesserung gebracht. Weder sinkt der CO2-Verbrauch noch die Nutzung fossiler Brennstoffe. Der Hunger nach Energie, der digital-technologische Wettlauf und die wachsende Weltbevölkerung setzen der Erde zu. 

Staaten und Regierungen zusammen mit Unternehmen sind sich aber einig: es braucht einschneidende Veränderungen. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die Ablösung der linearen Wirtschaft hin zu einer Kreislaufwirtschaft, die ressourcenschonend ausgerichtet ist, ohne fossile Brennstoffe auskommt und dennoch wachsen kann. Ein Wachstum, dass keinem schadet und allem nutzt - Wohlstand für alle(s). Spätestens 2050 wird die Welt eine Kreislaufwirtschaft kennen und nach ihren Regeln funktionieren.

Deshalb stellt sich jetzt für jede Unternehmerin und jeden Unternehmer die Frage, wie man seine unternehmerische Freiheit mit diesen äußeren Entwicklungen, dem bisherigen Geschäftsmodell und den eigenen innovativen Fähigkeiten so weiterdenken kann, dass daraus eine nachhaltige Existenzsicherung wird, einschließlich eines neuen Wertbeitrags für Gesellschaft und Umwelt.

Die Entscheidung für Nachhaltigkeit ist immer eine strategische"

Wer zum Beispiel wenig Ressourcen verbraucht, spart nicht nur Geld, sondern kann zeigen, dass er Nachhaltigkeitsziele in seiner Bilanz „verbuchen“ kann. Die entsprechenden regulatorischen Vorgaben durch die EU sind vorbereitet. Und wer ein nachhaltiges Geschäftsmodell vorweisen kann, wird weiterhin seinen Kredit von der Bank bekommen, seine Versicherung und seine Mitarbeiter und Kunden behalten. Wer Nachhaltigkeit nicht nur als notwendiges Übel begreift, sondern dies zu einem Teil der Unternehmenskultur werden lässt, wird auch in Zeiten von Fachkräftemangel einen attraktiven Arbeitgeber für die Generationen X, Y und Z darstellen.  

Die Entscheidung für Nachhaltigkeit ist immer eine strategische. Sie betrifft das gesamte Unternehmen inklusive der Wertschöpfungskette. Und sie löst eine umfassende und jahrelange Transformation im Unternehmen aus, die sich grob in zwei große Abschnitte aufteilt: Transformationsvorbereitung und Transformationsumsetzung

Nachhaltigkeit im Untenehmen: ÖKOLOGISCH, ÖKONOMISCH UND SoZIAL

Jedes Unternehmen sollte aus unserer Sicht einen eigenen Weg zur und in die Nachhaltigkeit finden. Je besser die Vorbereitung dafür ist, desto klarer und präziser die Umsetzung:

An erster Stelle steht daher die Auseinandersetzung von Unternehmerinnen und Unternehmern mit ihrer Haltung (Mindset) zur Nachhaltigkeit. Sie bildet das Werte- und Entscheidungsraster für das zukünftige Geschäftsmodell und ist die Richtschnur des Handels für alle Beteiligten. Haltung kann man nicht abgeben, sondern nur leben. Ebenso gehören Wissen über Umfang, Komplexität und Relevanz der Nachhaltigkeit dazu. 

Zur Vorbereitung gehört eine umfassende Analyse des bisherigen Geschäftsmodells einschließlich einer umfassenden Bestandsaufnahme (Assessment) der (bisherigen) Nachhaltigkeit. Darauf aufbauend werden die Handlungsoptionen auf den drei Ebenen „ökologisch, ökonomisch und sozial“ definiert und erste Maßnahmen oder Projekte initiiert, die die Nachhaltigkeit unumkehrbar machen. Durch die Umsetzungsphase wird Nachhaltigkeit zur neuen unternehmerischen Fähigkeit.  

Dieses Vorgehen nennen wir „MAP2Sustainability – der Weg zur eigenen Nachhaltigkeit“, der auf dem Respekt gegenüber der bisherigen unternehmerischen Leistung aufbaut und von meiner Beratungsfirma entwickelt wurde. 

Wir sind sicher: Jedes Unternehmen kann Nachhaltigkeit als Chance nutzen. Wenn Sie nicht sicher sind, wie Sie diese für Ihr Unternehmen nutzen – wir beraten und begleiten Sie gern.

Josef Krieg

Hintergrund - erster Grundsatz der Nachhaltigkeit:

Der kurfürstlich-sächsische Oberberghauptmann des Erzgebirges Carl von Carlowitz beschrieb 1713 in der „Sylvicultura oeconomica“ den ersten Grundsatz der Nachhaltigkeit: „Es darf nicht mehr Holz gefällt werden, als jeweils nachwächst.“ 

Hatte der europäische Schiffsbau zuvor die kontinentalen Wälder radikal verkleinert, wurde Holz für den Bergbau wichtig, aber auch als Energiequelle für die prosperierende Metallindustrie. Nachhaltigkeit steht seitdem im Wettbewerb zum Wettbewerb.

Auch heute entnehmen wir der Erde mehr als nachwächst. Nutzung, Bearbeitung und Verbrauch fossiler Naturstoffe (Kohle, Gas, Öl, Metalle, etc.) verursachen massive Umweltschäden wie Klimawandel oder Wassermangel. Unsere Produktions- und Lebensweise führt zu einem Verlust an Artenvielfalt (Biodiversität). 

Diese negativen Effekte glaubten wir durch neue Technologien auszugleichen, unterstützt durch immer effizientere Methoden, Sparmaßnahmen (Filter, effizientere Motoren, etc.) und nicht zuletzt durch den Einsatz der Digitalisierung. Bislang verpuffen die Anstrengungen.

Josef Krieg
Geschäftsführender Gesellschafter
ideas2communicate GmbH
Pfleghofstr. 41/1
72555 Metzingen
E-Mail: j.krieg(at)ideas2c.de
Tel.: +49 7123 958 1113
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