Tipp: Kontokorrentkredit

Kontokorrentkredit – was ist die „richtige“ Höhe?

Die Kontokorrentkreditlinie (KK-Linie) wird oftmals zu Beginn der Bankbeziehung festgelegt und selten angepasst, obwohl sich die Geschäftslage verändert hat.

Umsatzsteigerungen, schwankende Lagerbestände oder Veränderungen in den Zahlungszielen können den Liquiditätsbedarf Ihres Unternehmens erheblich beeinflussen. Wir verraten Ihnen, welche Gefahren bei einer falschen KK-Linie lauern und wie Sie die richtige Höhe für Ihr Unternehmen bestimmen können.

Schwankenden Kapitalbedarf abdecken

Der Kontokorrentkredit als Auffangbecken für unterschiedliche Liquiditätsbedürfnisse kann bis zur festgelegten Höhe variabel in Anspruch genommen werden und eignet sich somit besonders gut um schwankenden Kapitalbedarf im Unternehmen abzudecken.

  • Wie hoch muss die KK-Linie sein um auch einen Spitzenbedarf aufzufangen? Grundsätzlich gibt es hier keine allgemeingültige Antwort, denn die Unterschiede in Bezug auf die Kapitalbindung sind zwischen Produktions-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen zu groß. Die zweifelsfrei richtige Basis zur Festlegung der KK-Line ist eine detaillierte Liquiditätsplanung. Sollte diese fehlen liegt die Herausforderung darin, ein Limit zu finden welches weder zu hoch noch zu niedrig ist, aber immer so viel um kurzfristige Liquiditätsprobleme vorzubeugen
  • Was passiert, wenn meine KK-Linie zu gering ist? Eine zu geringe KK-Linie kann zu Zeitverzögerungen in der Rechnungsbegleichung führen, wenn die Bank die Zahlung verweigert oder Lastschriften nicht ausgeführt werden. Dies sollte unbedingt vermieden werden, da eine Rücklastschrift negative Auswirkungen auf das Kreditscoring bewirkt! (Kreditscoring Begrifferläuterung) Eine Rücklastschrift ärgert nicht nur Ihre Lieferanten, sondern ist auch unwirtschaftlich für Ihr Unternehmen. Neben der fälligen Gebühr für die Nichteinlösung verlieren Sie möglicherweise auch noch Skontoerlöse. Sollte die Bank aus Kulanzgründen eine kurzfristige Überziehung der KK-Linie dulden, wird für die Zeit der Überziehung ein hoher Überziehungszins fällig.
  • Sollte ich lieber eine zu hohe KK-Linie wählen? Die naheliegende Annahme eine möglichst hohe KK-Linie zu wählen birgt jedoch ebenfalls Gefahren. Sollte der Kontokorrentkredit höher als Ihre langfristigen Finanzierungsmittel sein, ist dies Ausdruck einer falschen Finanzierungsstruktur und kann Ihr Unternehmen schnell in Schieflage bringen.

Generell ist es empfehlenswert nicht nur das Anlagevermögen, sondern auch einen Anteil des Umlaufvermögens langfristig zu finanzieren. Fordert die Bank darüber hinaus noch eine Absicherung des Kontokorrentkredites, blockieren Sie damit Ihre Sicherheiten für andere (günstigere) Finanzierungen.

Unwirtschaftlich wird es dann, wenn die Bank für den nicht in Anspruch genommenen Teil des Kreditlimits eine Bereitstellungsprovision berechnet. Wichtig ist auch zu wissen, dass die Bank lt. AGB den KK-Kredit jederzeit ohne Kündigungsfrist zurückfordern kann (für Endverbraucher gelten Sonderregelungen).

  • So können Sie Ihre KK-Linie ermitteln: Verschaffen Sie sich erstmal einen Überblick über die monatlichen Mindest- und Höchstsalden Ihres Kontokorrentkontos der letzten ein bis zwei Jahre. Stellen Sie Überlegungen an, ob ein Bodensatz an Beständen und Forderungen langfristig finanziert werden kann. Auch hier liefert eine Entwicklungsübersicht der letzten zwei bis drei Jahre eine gute Grundlage. Die Bank wird zur Beurteilung des Ausfallrisikos eine pauschale Umschlagsgeschwindigkeit ansetzen. Dabei wird geschätzt in welcher Zeit der Kredit durch den zu erwartenden normalen Geldeingang auf dem Konto wieder ausgeglichen werden kann. Darüber hinaus müssen der Warenbestand und Lagerumschlag, die Kundenforderungen sowie deren Zahlungsziel, die Lieferantenverbindlichkeiten und Zahlungsziele sowie die wiederkehrenden Zahlungsver-pflichtungen (Daueraufträge) in die Überlegungen eingeschlossen werden. Wichtig ist auch zu beachten, dass es durch Zahlungs-/Fälligkeitstermine zu Spitzenbelastungen kommen kann.

 

Unsere Tipps rund um die Kontokorrentkreditlinie:

  • Generell ist es ratsam die Kontokorrentkredite auf mehrere – mindestens auf zwei  Banken zu verteilen, um ggf. insgesamt ein höheres Limit zu erhalten. Damit wird auch das Risiko der Sofortkündigung der gesamten Kreditlinie gemindert.
  • Eine Möglichkeit ungeplante Schwankungen in der Beanspruchung der KK-Linie aufzufangen kann Ihnen das Factoring bieten, hier wächst die Linie mit dem Umsatz und Sie behalten Ihre Unabhängigkeit von der Bank.
  • Ferner ist es gut zu wissen, dass Kontoanalysen bei den Banken zum Tagesgeschäft gehören. Es dient als Informationsquelle für die Umsatzentwicklung, das Zahlverhalten und wird zur Ermittlung von Trendeinschätzungen herangezogen. Achten Sie darauf, wie Sie ihr Konto beanspruchen, denn bestimmte Warnsignale können zu einer Verschlechterung Ihrer Ratingnote führen und haben damit negativen Einfluss auf die Konditionen und die Kreditbereitschaft Ihrer Bank

Unser Fazit: Eine falsch gewählte KK-Line, ob zu gering oder zu hoch, ist unwirtschaftlich für Ihr Unternehmen und birgt einige Risiken.

Die Spezialisten der RTS Steuerberatung unterstützen Sie gerne mit dem wichtigsten Instrument zur Sicherung der Liquidität: einer detaillierten Liquiditätsplanung.

 

[Stand: 17. August 2017, Infoabteilung RTS Steuerberater

Hinweis der RTS | Steuerberatung Baden-Württemberg

 

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