Kinder in der Corona-Krise: Was ist der Plan für die Kleinsten der Gesellschaft?

Unternehmen, Vereine, Arbeitnehmer und Arbeitgeber - für jeden gibt es einen Plan für die Zeit nach der Corona-Krise. Außer für die Kinder...

Ein Kommentar von Céline Koch ( Rechtsanwältin RTS Pleidelsheim)

Es könnte schlimmer stehen

Zunächst bedanken wir uns für die bisherige allgemeine Vorgehensweise im Rahmen der Corona Krise. Wir haben uns stets sicher und dennoch im Rahmen des Möglichen frei gefühlt und sind dankbar für die Hilfsmaßnahmen, die schnell und unkompliziert auf den Weg gebracht wurden.

Uns ist durchaus bewusst, dass die gesundheitlich recht sanft verlaufene Krise bisher durchaus auch der Politik und den von ihr getroffenen Maßnahmen zu verdanken ist. Auch, dass es bei uns vergleichsweise wenig Einschränkungen im Vergleich zu unseren Nachbarländern gab. Wir stehen hinter der Vorsicht, mit der grundsätzlich geöffnet wird. Wir glauben nicht an Verschwörungstheorien und wollen nicht auf dem Wasen demonstrieren.

Ebenfalls ist uns bewusst, dass dies für alle, auch und insbesondere für die regierenden Politiker eine Ausnahmesituation darstellt, in die man sich erst einarbeiten muss.

Perfekt ist die Situation jedoch sicher nicht

Was uns ganz eindeutig fehlt, ist ein langfristiges Konzept für unsere Kinder.

Sie wurden als erstes aus dem Verkehr gezogen. Während um sie herum der Alltag wiederbeginnt, Eltern zur Arbeit fahren, Überlegungen über den Urlaub im Ausland getroffen werden, Gaststättenbesuche wieder möglich sind, verharren die Kinder weiterhin zu Hause mit Homeschooling. Dieses gleicht eher einer Anleitung zum Selbststudium nebst Aufgabenverteilung, als dem eigentlichen Sinn nahezukommen. Es gibt nahezu keinen Kontakt zu den Lehrern. Manche bieten sich an, das Kommunikationsverhalten ist jedoch eher passiv.

Den Lehrkräften selbst kann hier wohl kein großer Vorwurf gemacht werden, da auch für sie die Form des Unterrichtens neu ist und nicht zuletzt auch aufgrund der Altersstruktur nicht von einer Affinität im digitalen Bereich ausgegangen werden kann. Nichtsdestotrotz, die Unternehmen mussten sich ebenso rasch auf Homeoffice und Möglichkeiten der digitalen Kommunikation umstellen und haben es weitestgehend umsetzen können.

Uns fehlt, bei allem Verständnis, ein konkreter Plan. Nun können Sie sagen: „Wir wissen ja selbst nicht, wie es mit Corona weitergeht, wir müssen flexibel bleiben“. Dann erwarten wir jedoch auch die Flexibilität, zumindest das Homeschooling so anzugehen, dass es interaktiv und sinnvoll umgesetzt werden kann. 

Wir reden hier nun einmal von unseren Kindern, letztendlich von unserer Zukunft, um es ganz pathetisch auszudrücken.

Seit Wochen abgeschottet, ohne soziale Kontakte, werden sie “von ihren weintrinkenden Müttern unterrichtet“. Lustiger Spruch, dachten wir anfangs jedenfalls. Doch auch ohne Wein zu trinken, sind wir nicht diejenigen, die unseren Kindern die Bildung nahebringen können, die sie verdienen und wir können ihnen auch nicht die sozialen Kontakte ersetzen, die sie brauchen. Übrigens: wir reden hier von Kindern, die behütet und betreut aufwachsen. Was ist erst mit den Kindern, denen dieser Rückhalt und die Unterstützung fehlt?

Das jahrelange Studium von Lehrern ist nicht umsonst

Womöglich gibt es Eltern die fachlich zum Unterrichten geeignet sind, doch es muss dem Kind auch erklärt werden. Dazu sind wir weder pädagogisch, noch emotional in der Lage, auch wenn wir unser Bestes geben. Die Frage ist ja auch, wie ernst und wichtig werden die Kinder nach dieser Krise die Schule überhaupt noch nehmen? Nachdem dieses Thema all die Wochen vergleichsweise nebensächlich empfunden und behandelt wurde. Im Mittelpunkt standen die Erwachsenen, Wirtschaft und Gesundheit. Im Übrigen sind viele von uns berufstätig, kämpfen mit eben diesen wirtschaftlichen Folgen und nicht alle haben die Zeit, die unseren Kindern allein für diese Aufgabe gerecht werden würde.

Es fehlt den Kindern jedoch mehr als nur der Unterricht

Fast noch wichtiger ist unseres Erachtens doch aber die soziale, gesellschaftliche Ebene. Das groß geschriebene Sozialverhalten, das die Kinder in der Gemeinschaft erlernen sollen. Wie soll das soziale Loch unserer Kinder gestopft werden? Wie sieht hier der konkrete Plan für eine Reintegration aus?

Im Landkreis Ludwigsburg, Baden-Württemberg, beginnen wir nach den Pfingstferien an den Grundschulen mit 1,5 Zeitstunden Unterricht am Tag im Wochenrhythmus alternierend. Während der Pausen bleiben die Kinder an ihrem Platz sitzen. Der Montag nach den Pfingstferien ist wohlgemerkt ein beweglicher Ferientag, daran wird (für viele von uns völlig unverständlich und ebenfalls recht unflexibel) nicht gerüttelt.

Uns ist bewusst, dass die Infektionsgefahr, bei Klassengruppen im Innenbereich sicherlich hoch ist, dass hier ein Vorgehen der Öffnung mit Augenmaß erforderlich ist und dass Hygiene oberstes Gebot ist.

Jedoch muss es für unsere Kinder und unsere Zukunft, die nicht nur kurzfristig auf die nächsten Jahre ausgerichtet ist, doch irgendeinen Plan geben.

Unser Eindruck ist, dass vor allem mitgeteilt wird, was nicht geschieht.

Keine Ferienkürzung – auch kein beweglicher Ferientag, keine vollständige Wiederaufnahme etc.  Aber was denn dann?

Wir verstehen nicht, dass es Pläne zu Demonstrationen auf dem Wasen, Öffnung der Grenzen für den Tourismus (dieser war schließlich Ursache für die Verbreitung des Virus Anfang März), Wiedereröffnung von Restaurants und Betrieben gibt – was sicherlich unentbehrlich ist, aber keinen Plan im Hinblick auf die andauernde Isolierung und Nichtbeschulung unserer Kinder.

Wir haben keine weiteren guten Ratschläge, wir wissen es nicht besser (außer, dass man etwas wissen sollte) und sehen es auch nicht als unsere Aufgabe und Berufung an. Unsere Aufgabe ist es für unsere Kinder zu fragen:

WAS IST EIGENTLICH DER PLAN?